Zwischen Weihnachten und Neujahr (26. – 30.12. 2008) fanden auch dieses Jahr die Deutschen Vereinsmannschaftsmeisterschaften statt. Austragungsort für die 20 besten Vereinsmannschaften Deutschlands in der Altersklasse U 12 war Naunhof bei Leipzig. Der gastgebende Verein, die BSG Chemie Leipzig, hatte mit dem Haus „Grillensee“ einen guten Griff getan. Unterkunft und Spielbedingungen waren sehr gut. Die U 12 Mannschaft des SV Empor Erfurt hatte bereits 2007 Meisterschaftsluft geschnup-pert. Dieses Jahr hatten wir uns vorgenommen, den 10. Platz von 2007 unbedingt zu verbessern.
In der Setzliste rangierten wir auf Platz 4, was aber nicht allzu viel zu sagen hat, da wir in 2007 gar auf Platz 3 gesetzt waren.
Für die „Empor-Ratten“ spielten in der Brettreihenfolge 1 – 4: Lars Urban, Jan Schneider, Paul Messing und Alexander Allin. Als Betreuer waren unsere „Leihgabe“ des SV Medizin Erfurt, Stefan Holzschuh, Jens Urban und ich selbst vor Ort. Mein ins geheimes Ziel war es, dass wir es unter die ersten 5 der Tabelle schaffen. Nur die ausgeschriebene Bedenkzeit von 90 Minuten für 40 Züge und dann 30 Minuten bis zum Partieende machte mir etwas Sorgen, da dies für unsere Kinder etwas ungewohnt war.
Nachdem wir uns am 26.12. 2008 gegen 17 Uhr alle im Haus „Grillensee getroffen hatten, kümmerte sich Familie Urban um die Anmeldung, die Kinder hatte sofort den dort vorhandenen Billardtisch in Beschlag genommen. Nach Abendbrot und Mannschafts-leiterbesprechung fand noch ein Simultanturnier mit Großmeister Lothar Voigt statt, unsere Kind`s beschlossen aber, ihre Kräfte zu schonen und nahmen nicht teil. Endlich war dann auch gegen 21.30 Uhr die Auslosung zur 1. Runde verfügbar. Tu Ra Harksheide aus Schleswig-Holstein, ein für uns völlig unbeschriebenes Blatt. Stefan und ich luden, wie vor jeder Runde, sofort unsere Datenbanken zur Vorbereitung auf die kommenden Gegner. Gerade an den Brettern 3 und 4 war eine Vorbereitung oft nicht leicht, da die Gegner selten in den Datenbanken zu finden waren. Gerade diese beiden Bretter sollten uns möglichst viele Punkte bringen. Soweit der Plan.
Gegen Harksheide ging das mit ein wenig Glück auch auf. Wir siegten 3 : 1. Ein guter Auftakt. Jan hielt gegen Annika Polert (stärkste Spielerin von Harksheide) remis, Lars gewann souverän, Paul sein Remis war eher von Vorsicht geprägt und Alexander siegte nach Springer „Opfer“. Das Los für die 2. Runde bescherte uns den Titelverteidiger Forchheim. Wir siegten 2,5 : 1,5, aber gerade an den hinteren beiden Brettern stand uns erneut das Glück zur Seite. Paul wickelte in ein verlorenes Bauerendspiel noch, gewann dieses wegen eines groben Versehens seiner Gegnerin aber noch. Alexander stellte einen Turm ein, kämpfte sich aber noch zum Remis. Jan spielte zu vorsichtig und hatte so keine Chance gegen Robert Wagner. Lars riss es raus. Er nutze einen positionellen Eröffnungsfehler von Dominik Nöttling konsequent aus und siegte sicher.
In der dritten Runde trafen wir auf den Topfavoriten TU Dresden. Immerhin spielten dort die Vize-Weltmeisterin Filiz Osmanodja am 1. Brett, auch Jan sein Gegner am 2. Brett hatte ca. 450 DWZ-Punkte mehr als er selbst und auch Hannah Kuckling war uns bekannt. Stefan und ich gaben die Devise aus, selbst aktiv werden, mitspielen und wenn es nicht gut läuft, wenigstens mit wehenden Fahnen untergehen. Lars machte sich schon Hoffnungen, denn er hatte bereits bei der Deutschen Einzelmeisterschaft in Willingen mit einer sehr unorthodoxen Eröffnung Remis gegen Filiz erreicht. Diesmal wählte er eine „normale“ Eröffnung, an dieser lag es auch nicht, aber nach mehr als 3 Stunden Spielzeit, musste er doch die Klasse von Filiz anerkennen. Dafür gewann Alexander diesmal ohne große „Figurenopfer“ am 4. Brett sicher.
Paul spielte lange Zeit leider doch zu passiv und ängstlich – woher hat er das nur – stand klar auf Verlust und hatte Glück. Hannah wickelte falsch herum ab. Statt einen Läufer zu gewinnen, verlor sie einen Turm. Das ließ sich Paul nicht mehr nehmen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir es noch nicht, aber damit Paul`s Glück in diesem Turnier aufgebraucht. Wir führten 2 : 1, eine Sensation lag in Der Luft und alles hing von Jan ab. Er tut es leider viel zu selten, aber diesmal zeigte er was er kann. Er beherzigte die ausgegebene Devise und konnte mit den schwarzen Steinen unter einem Bauernopfer seinen Gegner völlig überspielen. Klar auf Gewinn stehend, überkam ihn dann doch die Angst und Vorsicht, so dass er in ein Turmendspiel mit Minusbauern abwickelte. Das war aber auch objektiv Remis und Jan hielt dies auch sicher. Seine beste Turnierpartie seit langem. Wir gewannen also 2,5 : 1,5 und waren gemeinsam mit Berlin Tabellenführer auf die wir in der 4. Runde trafen. Die Berliner Mannschaft war sehr ausgeglichen besetzt. Es war deshalb klar, dass es eine sehr schwere Runde wird. Lars hatte sich von der Niederlage gegen Filiz gut erholt und hatte keine Probleme mit dem vom Gegner gewählten Wolga- Gambit – sicherer Punkt. Jan und Alexander erkämpften Remis, nur Paul spielte leider immer noch zu ängstlich und verlor sang- und klanglos. Also 2:2. Ich hatte mir schon einen knappen Sieg erhofft, aber es war ja nix passiert und das Remis war vom Spielverlauf mehr als gerecht.
Am vorletzten Tag bescherte uns die 5. Runde die Mannschaft von Königsspringer Hamburg. Auch hier sprang für uns (nur) ein 2 : 2 heraus. Alexander gewinnt, Jan und Paul remis – alles hing an Lars, der aber auf einen hoch motivierten Gegner traf. Natürlich hatten wir Lars, der die schwarzen Steine hatte Tipps zu seiner französischen Eröffnung gegeben. Allein der Gegner spielte eine andere Variante, als Lars hoffte. Nach einem positionellen Fehler in der Eröffnung, stand er rasch schlechter. An diesem Tag war sein Gegner, Guido Stanau einfach besser. Wir hatten nun 8 : 2 Punkte und belegten vorläufig den 2. Platz hinter Dresden, die alle anderen Partien klar gewannen. In der vorletzten runde wurde uns der SV Welper 1922 zugelost. Wir hofften auf einen (klaren) Sieg, aber es kam leider anders. Die jungs erwischten einen schwarzen Montag- Nachmittag. Jan spielte seine schlechteste Partie und verlor rasch. Lars stand ebenfalls klar auf Verlust, Alexander hielt mit seinem mühevollen Sieg das Rennen lange offen. Paul musste, wegen der Verluststellung von Lars mehrere Remis-Angebote seines Gegners ablehnen, hatte zwischenzeitlich auch ein gewonnenes Springer-Endspiel auf dem Brett, fand aber dann zwei, drei schlechte Züge, die leider den Verlust der Partie bedeuteten. Da spielte es auch keine Rolle mehr das Lars noch Remis erkämpfte. So verloren wir 1,5 : 2,5 und belegten vor der letzten Runde Platz 4 in der Tabelle.
In der letzten Runde noch mal Hamburg und zwar der Hamburger SK von 1830. Ein Sieg könnte noch Platz 2 bedeuten, ein Unentschieden 4./5.Platz und bei einer Niederlage wären wir in`s Niemandsland der Tabelle abgerutscht. Es war spannend und alle Vorteile waren auf unserer Seite. Lars eroberte schnell eine Figur, hatte seinen Gegner jederzeit im Griff und verwertete seinen Vorteil zum sicheren Punkt. Paul spielte die beste Partie, die ich seit langer Zeit von ihm gesehen habe. Das war der „alte“ Paul. Er ließ dem Gegner in einer sizilianischen Partie überhaupt keine Chance – also 2 : 0 für uns. Jan spielte mit den schwarzen Steinen wieder gut mit, erreichte eine ausgeglichene Stellung und übersah dann einen kleinen Trick des Gegners, der zum Bauernverlust für Jan führte. Er erreichte aber noch ein Doppelturmendspiel mit Minusbauern, in dem er gute Remischancen hatte. Leider kam er auf die schlechte Idee, die Türme abzutauschen, das folgende Bauernendspiel war für ihn nicht zu halten, auch wenn er bis zum Schluss kämpfte. Zu dem Zeitpunkt hätte das Match für uns allerdings schon längst gewonnen sein können. Alexander hatte ein für ihn leicht vorteil-haftes Endspiel Turm+Springer+3 Bauern für beide Spieler erreicht. Alexander selbst hatte einen dabei sehr aktiven König. Ein Remis hätte der Mannschaft zum Sieg gereicht, anderer-seits, konnte und wollte Alexander unbedingt im direkten Duell noch Brettbester am 4. Brett werden. Sein Gegner hatte zu diesem Zeitpunkt ebenfalls 5 aus 6 Punkte. Die kämpferische Einstellung war super. Das einzügige Einstellen seines Turmes aber dramatisch, da er dadurch auch den Sieg und 3. Platz der Mannschaft vergab. Schade !
Wir spielten 2 : 2 und belegten am Ende des Turniers den 4. Platz. Nachdem der erste Ärger verflogen war, waren alle Spieler und Betreuer auch mit diesem Platz sehr zufrieden.
Mehr war aufgrund einiger Unkonzentriertheiten und Stockfehler nicht drin. Insgesamt für die Kinder und den Verein ein schöner Erfolg.
Jörg Kompe
Abschlusstabelle :
1. USV TU Dresden 12 : 2 20.5
2. GW Baumschulenweg Berlin 10 : 4 17.0
3. Hamburger SK von 1830 9 : 5 17.0
4. SV Empor Erfurt 9 : 5 15.5
5. SF Düsseldorf 1975 9 : 5 15.0
6. SV Welper 1922 9 : 5 14.5
7. SK Kriegshaber Augsburg 8 : 6 18.5
8. SK 1926 Ettlingen 8 : 6 15.5
9. SAbt. Frankfurter TV 1860 8 : 6 14.0
10. TuS Coswig 1920 7 : 7 14.5
11. Königsspringer Hamburg 7 : 7 14.0
12. SG Porz 47 7 : 7 14.0
13. SC Forchheim 7 : 7 13.5
14. SC Widdern 6 : 8 14.5
15. SK Turm Rheydt 1929 6 : 8 13.5
16. TuRa Harksheide 6 : 8 12.0
17. BSG Chemie Leipzig 5 : 9 12.0
18. SV Bodenheim 4 : 10 10.0
19. SC Eppingen 3 : 11 11.0
20. SC 1928 Eppelborn 0 : 14 3.5
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